Borreliose-Gesellschaft e.V.

de

Infektiologische Differentialdiagnose der chronischen Lyme-Borreliose und sogenannte Coinfektionen

Walter Berghoff

Bei der Lyme-Borreliose (LB) können gleichzeitig andere Infektionen vorliegen, deren pathologischer Synergismus den Krankheitszustand verschlimmert oder die ähnliche Krankheitsmanifestationen hervorrufen. Solche begleitenden Infektionen werden als Coinfektionen bezeichnet.  Die Coinfektionen können wie die LB durch Zecken übertragen werden, d.h. es kann bei Zeckenstich zu Mehrfachinfektionen kommen. Ein Teil der Coinfektionen wird unabhängig von Zecken übertragen oder es bestehen neben der Zeckenübertragung auch andere Infektionswege. Die klinisch wesentlichen Coinfektionen werden durch Bartonellen, Yersinia enterocolitica, Chlamydia pneumoniae, Chlamydia trachomatis und Mycoplasma pneumoniae hervorgerufen. Die humane granulozytäre Anaplasmose (Ehrlichiose) und die Babesiose haben in Europa keine wesentliche Bedeutung. Die Coinfektionen können selbstverständlich auch ohne Verbindung mit der LB auftreten und führen in Eigenständigkeit zu einer mitunter ausgeprägten Krankheitssymptomatik, die erhebliche Überschneidungen mit dem Krankheitsbild der LB aufweist. Dadurch wird die Differentialdiagnose sehr schwierig, mitunter unmöglich. Noch problematischer ist die diagnostische Situation, wenn die Coinfektionen in Verbindung mit LB auftreten, wenn also Doppel- oder Mehrfachinfektionen bestehen. - Die Coinfektionen wurden in den 1990er Jahren, also etwa zehn Jahre nach Entdeckung der LB in ihrer Pathogenität erkannt. Die differentialdiagnostischen Schwerpunkte (Überschneidung von Symptomen bei LB und Coinfektionen), die wesentlichen Indikatoren für die Diagnose der einzelnen Coinfektionen und Empfehlungen zur Behandlung werden dargestellt. Studien zur Behandlung der Coinfektionen liegen nicht vor, Therapieempfehlungen stützten sich auf vereinzelte Expertenmeinungen.

PD Dr. Walter Berghoff
FA für Innere Medizin
Rheinbach