Borreliose-Gesellschaft e.V.

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Eigentblutbehandlung bei chronischer Borreliose

Kurt E. Müller

 

Die Eigenblutbehandlung wurde bereits 1928 von Ludwig Török in dem  Handbuch der Haut- und Geschlechtskrankheiten von Jadassohn für die Behandlung der chronischen Urtikaria erstmals beschrieben. Die Wirksamkeit der Methode, die inzwischen als autologe Vollbluttherapie (AVT) bezeichnet wird,  wurde für diese Indikation 2010 in einer Habilitationsarbeit von Magerl dargestellt. Theoretische Überlegungen sprechen dafür, dass die AVT eine Minderung der Aktivität des TH2-Zell Systems bedingt und hierdurch die Balance der TH1- und TH2-Zell Funktion wieder hergestellt wird. Bisher nicht publizierte eigene Ergebnisse sprechen dafür, dass bei chronischer Borreliose die TH1-Zell Funktion gegenüber der TH2-Zell Funktion nicht ausgewogen ist. Möglicherweise ist hierfür die Dominanz der Katecholamine bei diesen Personen entscheidend und für die Chronifizierung (mit)verantwortlich. Es wurde deshalb die AVT bei folgenden Indikationen in der Behandlung der chronischen Borreliose eingesetzt:

  • wenn es zu keiner Normalisierung des Stimulationsindex (SI) im Lymphozytentransformationstest (LTT) nach wiederholten und unterschiedlicher antibiotischer Behandlung gekommen war
  • wenn es zu raschen Rezidiven der Erkrankung nach zwischenzeitlicher Normalisierung des LTT gekommen war
  • wenn Kontraindikationen (Allergien und Polymorphismen des Cytochrom P450 Systems) den Einsatz von Antibiotika erheblich einschränkten oder unmöglich machten.

Die AVT erfolgte 3 x wöchentlich (Montag, Mittwoch, Freitag). Insgesamt wurden 10 Injektionen durchgeführt. Die Behandlung wurde mit 0,5 ml Eigenblut begonnen und von Mal zu Mal um 0,5 ml gesteigert. Das entnommene Blut wurde bis zu einer Menge von 2,5 ml  4 Minuten, von 3,0 bis 5,0 ml 5 Minuten im ***Kühlfach abgekühlt und unmittelbar danach intragluteal injiziert. Die Seite wurde bei jeder Injektion gewechselt.

 

Der SI des LTT wurde vor und 6 Wochen nach der AVT bestimmt. Bei der Behandlungen von 25 Patienten (17 Frauen, 8 Männer) wurden folgende Ergebnisse erzielt:

 

                SI  (n=25)                                                  vor Therapie                                        nach Therapie

                Borrelia sensu strictu                                        3,9                                                         1,6

                Borrelia afzelii                                                    4,5                                                         1,7

                Borrelia garinii                                                    4,0                                                         1,8

                OspC                                                                    4,0                                                         1,5

 

Bei 17 Patienten normalisierte sich der SI (< 2) bei allen 4 untersuchten Antigenen. Bei 4 Patienten lagen einzelne Werte im Bereich der Grauzone (SI 2 – 3). 4 Patienten hatten auch nach dieser Behandlung weiterhin bei wenigstens einem Antigen pathologische Werte. Die Verträglichkeit war gut. In einem, wegen zahlreicher Polymorphismen von Cytochrom P450 nicht antibiotisch behandelbaren Fall, kam es zu einer Jarisch-Herxheimer-Reaktion nach der Injektion von 1,5 ml Eigenblut, was die Wirksamkeit der Methode unterstreicht. Die Therapie stellt auf Grund der vorliegenden Ergebnisse eine sinnvolle Ergänzung der antibiotischen Behandlungen und eine Erweiterung des therapeutischen Profils dar.

 

Dr. Kurt E. Müller – Mozartstraße 16 – 87435 Kempten – T: 0831 512 6729