Borreliose-Gesellschaft e.V.

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Infektion und psychische Störungen am Beispiel von Tic-Erkrankungen
Norbert Müller

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LMU München

Die Interaktion zwischen einem Pathogen und dem Immunsystem ist entscheidend dafür, ob es zum Auftreten von Krankheitssymptomen kommt. Untersuchungen zum Immunsystem einerseits und in Hinblick auf verschiedene Erreger, z.B. Cytomegalie oder Herpes Simplex Virus andererseits weisen darauf hin, dass bei manchen psychischen Erkrankungen wie z.B. Schizophrenie oder den Tic-Erkrankungen Pathogene eine Rolle spielen. Dabei spielt nach neueren Erkenntnissen vermutlich nicht so sehr ein bestimmter Erreger, etwa ein bestimmtes Bakterium oder ein bestimmter Virus die entscheidende Rolle, sondern neben verschiedenen Komponenten des Immunsystems der Zeitpunkt einer Infektion. Bei Schizophrenie ist wahrscheinlich eine infektiöse Erkrankung der Mutter im zweiten Trimenon der Schwangerschaft mit auslösend für eine Jahre später auftretende Erkrankung des Kindes. Bei den Tic-Erkrankungen können Infektionen mit Gruppe A Streptokokken, Mycoplasma pneumoniae oder Borrelia burgdorferi für die Symptomatik mit verantwortlich sein. Untersuchungen haben gezeigt, dass auch bei Tic-Erkrankungen eine Abwehrschwäche des Immunsystems von Bedeutung ist. Eine Prophylaxe mit Antibiotika kann in vielen Fällen ein Wiederauftreten der klinischen Symptomatik verhindern. Obwohl heute Einigkeit darüber besteht, dass die Interaktion von Pathogen und Immunsystem letztlich für das Auftreten klinischer Symptome verantwortlich ist, besteht noch hoher Forschungsbedarf, vor allem im Bereich von Erkrankungen des Zentralen Nervensystems bzw. psychischen Störungen.

Prof. Dr. med. Norbert Müller ist stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psycho-therapie der LMU München. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Psychoneuroimmunologie, Pa-thogenese und Therapie der Schizophrenie, Psychopharmakologie.