Borreliose-Gesellschaft e.V.

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Die Bedeutung der PCR in der Borreliose-Diagnostik

Oliver Nolte #

Zu den bekannten Schwierigkeiten der Borreliose-Diagnostik gehört der sichere Erregernachweis zur Bestätigung einer akuten, latenten oder chronischen Infektion. Da die Kultur der Spirochäten überaus aufwendig ist und routinemäßig kaum angeboten wird, kommt der Polymerasekettenreaktion (PCR für engl. polymerase chain reaction [1]) große Bedeutung zu. Prinzip aller PCR- oder Nukleinsäureamplifikationsverfahren ist der Nachweis des Erbguts (Nukleinsäuren, also DNA, ggf. RNA) der Erreger. Es handelt sich somit um ein direktes Nachweisverfahren. Methodisch sind mit der PCR eine ganze Reihe von ‚pitfalls’ (Stolpersteinen) assoziiert [2], zumal bislang keine ausreichend validierten und CE-zugelassenen* kommerziellen Verfahren erhältlich sind. Inhibitionen können zu falsch negativen Ergebnissen führen, während falsch positive Resultate durch Kontamination nicht selten sind. Durch die Verwendung unterschiedlicher PCR-Verfahren mangelt es an einer Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit von Laborergebnissen [3]. Leistungsdaten wie Spezifität, Sensitivität oder Nachweisgrenzen sind häufig nicht verfügbar, was die Interpretation der Befunde erschwert. Schlussendlich hat Art und Beschaffenheit des Untersuchungsmaterials großen Einfluss auf die Aussagekraft eines PCR-Ergebnisses. Gleichzeitig führen Über- aber auch Unterbewertungen von PCR-Ergebnissen zu Unsicherheiten in der direkten Patientenversorgung wie auch in der gutachterlichen Beurteilung.

Ziel des Seminars ist, dem Teilnehmer Kriterien an die Hand zu geben, dieses für die Borreliose-Diagnostik ausgesprochen wichtige aber auch schwierige Testverfahren gezielt einzusetzen und richtig zu beurteilen. Diskutiert werden sollen die wichtigsten Aspekte der Methode und ihrer Interpretation. Vorgesehen sind folgende Punkte:
►    direkter vs. indirekter Erregernachweis – was macht den Unterschied?
►    analytische Sensitivität der PCR – ist eine hohe Sensitivität mit (sehr) niedriger Nachweisgrenze wirklich sinnvoll?
►    Sensitivität und Spezifität – wie sicher ist negativ negativ!
►    PCR positiv oder negativ? – Wie interpretiere ich das Ergebnis?
►    PCR-Verfahren – welche sind verfügbar und welche sind geeignet?
►    IVD, CE, „homebrew“ und PlexID – Kauderwelsch, Kundenwunsch und was bringt die Zukunft?

Das Seminar richtet sich an Interessenten mit geringen Kenntnissen in der molekularbiologischen Diagnostik, steht dem Fortgeschrittenen oder Profi aber ebenso offen.

[1] Anonymus: Polymerasekettenreaktion (Erläuterung des Prinzips) http://de.wikipedia.org/wiki/Polymerase-Kettenreaktion (zuletzt geprüft: 16.03.2011)
[2] NOLTE O. (2011): Die PCR zum Nachweis von Borrelia burgdorferi. Eine Methodenbesprechung für Patienten/Innen. In: Borreliose Jahrbuch 2011 (Fischer U, Siegmund B. Hrsg.) Books on demand GmbH Norderstedt S.70-81
[3] MORAVCOVÁ L, PÍCHA D, VANOUSOVÁ D, HERCEGOVÁ J (2009): [Detection of borrelia DNA from patients with neuroborreliosis and erythema migrans]. Klin. Mikrobiol. Infekc. Lek. 15(5):160-165


* CE-Zulassung: erforderlich für die Freigabe, einen Test in der humanmedizinischen Diagnostik nutzen zu dürfen; Tests ohne CE-Zulassung dürfen nur in der Forschung verwendet werden.

# Dr. Oliver Nolte, Molekularbiologie | Mikrobiologie, Labor Dr. Brunner, Mainaustraße 48 a/b, 78464 Konstanz, o.nolte@labor-brunner.de